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Smoke & Sacrifice: Review
07.06.2018 - 14:08








Titel: Smoke & Sacrifice
Plattform: PC, One, PS4. Switch
Entwickler: Solar Sail Games
Publisher Curve Digital
Genre: Rollenspiel
USK/PEGI Ab 12
Spieler: Offline: - / Online: -
Release: 31.05.2018
Offizielle Seite

Überleben für die Geschichte

Survival-Spiele sind immer so eine Sache. Entweder sind sie äußerst motivierend allein durch ihre Mechanik oder sie wirken mehr wie Arbeit, weil vieles repetetiv ausfällt. Am Ende bleibt es eine Geschmacksfrage ob man mit Survival etwas anfangen kann oder nicht. Was aber die meisten dieser Titel oft gemeinsam haben ist, dass sie nicht sonderlich viel Geschichten erzählen. Doch genau dies möchte Entwickler Solar Sail Games mit Smoke & Sacrifice ändern.

Hart aber schmerzlich

Der Einstieg in Smoke & Sacrifice geht hart und schmerzlich von statten. Wir spielen Sachi, eine junge, hingebungsvolle Mutter die fleißig auf dem Feld arbeiten muss. In ihrem Dorf herschen Gesetze, Gesetze die den Fortbestand der Bevölkerung gewährleisten, so zumindest wird es ihr erzählt. Jedoch funktioniert das nicht ohne Opfer für den sogenannten Sonnenbaum. Ein Kind soll dagebracht werden um als Licht aufzusteigen und jenes Kind ist ausgerechnet von Sachi.

In einem Ritual wird das Kind nun dem Baum schweren Herzens übergeben, nur um danach festzustellen, dass plötzlich das gesamte Dorf von riesigen Monstern überfallen wird und die Priester selbst erzählen auch nur Lügen. Noch dazu möchte Sachi ihren Sohn um jeden Preis zurückholen und geht dafür sogar in die Unterwelt, wo unser eigentliches Abenteuer überhaupt erst beginnt.

Basteln ohne Pause

Die Grundmechanik von Smoke & Sacrifice offenbart sich ziemlich schnell. Zunächst bekommen wir Quests von einzelnen NPC's. Immer verbunden mit einem narrativen, nicht vertonten Dialog. Unsere Tätigkeiten liegen meist darin, für uns selbst oder für jemand anderen etwas zu finden oder zu Craften. Beispielsweise können wir die recht großen Karten nicht frei begehen ohne eine spezielle Laterne, welche einen Bösen Nebel durchleuchtet und vertreibt. Für die besagte Laterne brauchen wir Glühwürmchen, für die Glühwürmchen brauchen wir einen Kescher, für den Kescher brauchen wir einen Holzstiel und ein Netz. Man merkt also schnell wie das Crafting-System ineinandergreift. Sämtliche Grundressourcen sind auf der Karte zu finden, egal ob wir unsere Lebensenergie auffrischen müssen oder neue Laternen brauchen, in Not geraten wir so gut wie nie.

Speziellere Items bekommen wir hingegen nur von Tieren oder Monster, da muss allerdings eine Waffe her. Sachi kämpft anfangs hauptsächlich im Nahkampf. Knüppel, Keulen und ähnliche Schlagwerkzeuge stehen zur Verfügung. Später kommen auch Schwerter, große Kanonen oder Bomben zum Einsatz. Was wir nutzen können hängt oft davon ab was gefunden und daraus gecraftet wurde. Das zählt übrigens auch für Rüstungen.



Voll ausgebremst

Dieser Gameplay-Loop macht zu Beginn auch noch großen Spaß, gerade weil man schnell viel brauchbares Material findet und deutlich merkt wie unsere Spielfigur stärker wird. Doch schon in den ersten Stunden fallen Ermüdungserscheinungen auf. So ist besagte Laterne eigentlich ständig zu Craften weil sie irgendwann verbraucht ist. Auch Waffen oder warme Schuhe für kältere Gebiete müssen regelmäßig neu gebaut werden.

Es ist logisch das in einem Crafting-Game nun mal viel und dauerhaft gecraftet wird. Jedoch folgt vergleichsweise ein Don't Starve keiner Story, weshalb es dort ziemlich egal ist ob man ständig das selbe baut. Smoke & Sacrifice hingegen wird oft ziemlich ausgebremst durch Fleißarbeit. Anstatt das man Teile suchen geht für eine coole Rüstung, muss man erst noch Ressourcen für Laternen oder Waffen sammeln, dass zieht sich dann schon etwas. Zumindest eine etwas höhere Haltbarkeit für Laternen und einige Waffen wäre schön. Damit auch in der Story ein besserer Spielfluss erreicht werden könnte.

Kleinigkeiten machen das Leben aus...

...das trifft auf Smoke & Sacrifice besonders zu. Obwohl der Titel nicht wirklich komplex zu spielen ist, lässt er einige Features doch stark vermissen. Beispielsweise gibt es keine frei belegbare Steuerung. Die grundlegende Belegung der Tasten wird in Tutorials zwar angezeigt, aber man kann diese weder ändern noch nachträglich einsehen. Auch eine Sortierfunktion im Inventar habe ich sehr vermisst, besonders weil einige Items nicht stapelbar sind. Auf kurz oder lang geht die Übersicht einfach flöten, was schade ist, denn das Crafting per Drag & Drop funktioniert ansonsten hervorragend.

Auch Ungereimtheiten wie die hakelige Maussteuerung müssten nicht sein. Zwar kann Sachi alternativ mit WASD bewegt werden, wer aber hingegen nur mit der Maus spielen möchte, sollte sich vielleicht auf ein Karpaltunnelsyndrom einstellen. Sachi läuft nämlich nur bei jedem erneuten Klick auf den Boden. Die Maustaste einfach halten wie in Don't Starve, so dass die Figur dem Cursor folgt, wird bisher nicht unterstützt. Gerade während eines Kampfes kann die reine Maussteuerung frustrierend werden. Doch auch hier wieder, Schade! Denn die Kämpfe sind trotz ihrer simplen Ausrichtung spaßig. Schläge haben ordentlich Wucht, wir können aktiv Ausweichen und die verschiedenen Gegnertypen verlangen des öfteren unterschiedliche Taktiken.



Reisen und Questen

Wie bereits erwähnt möchte der Titel den Spagat zwischen Story- und Survival-Spielen schaffen. Grundsätzlich gelingt das auch richtig gut, man möchte nämlich schon gerne wissen welches Mysterium hinter den Priestern und den Sonnenbaum steckt. Wären da nur nicht die eintönigen Aufgaben. Mehr als "Hol mir X davon" oder "Erlege Monster Y und Crafte daraus was" bietet Smoke & Sacrifice leider nicht. Auch Nebenquests können wir machen, doch diese sind eigentlich nur vorhanden um das eigene Repertoire an Waffen und Ausrüstung zu bekommen. Die spannende Geschichte bekommt ihr ausschließlich von der Hauptquest.

Beim Reisen über die Karte sollte man sich zudem auf Trial & Error einstellen. Wir erkunden eine neue Karte logischerweise erstmal Blind. Nach und nach wird die Region dann aufgedeckt, so das auch Landmarks und NPC's gekennzeichnet werden. Frustig kann es insofern werden, weil wir uns nur recht umständlich orientieren können. Es gibt zwar eine Minimpap die alles was bereits erkundet wurde anzeigt, diese muss aber per Tastendruck jedes mal eingeblendet werden. Dadurch dass die Kamera relativ nahe an Sachi dran ist, sieht man auch nicht immer gleich ob etwas großes oder stärkeres angreift. Hierbei kann der Tot schon öfter eintreten als einem lieb ist. Wir müssen die Karte mindestens einmal auf gut Glück erkunden und demnach Angriffe von viel stärkeren Monstern in Kauf nehmen.

Beschwerlich ist auch das Speichern und Reisen. Ein Spielstand kann nämlich nur an vorgesehenen Stationen gesichert werden. Wir müssen also erst die Karte absuchen um überhaupt Speichern zu können. Noch dazu wird uns das Reisen zwischen den Regionen mittels Röhre nicht geschenkt. Zum Reisen brauchen wir Marken, welche wir in Kisten finden und dann in eine Röhre einwerfen können. Die Marken werden regelmäßig neu generiert, man sollte aber dennoch damit haushalten, denn in jeder Ecke gibt es sie nicht zu finden.

Wie ein düsteres Kinderbuch

Die größte Stärke hat Smoke & Sacrifice bei der Optik und Soundkulisse. Grafisch wirkt der Titel wie ein düsteres Kinderbuch. Zuweilen fühlt man sich sogar an Dark Souls erinnert wenn abstruse Wesen einen Angreifen oder sich mit uns Unterhalten. Entwickler Solar Sail Games hat eine richtig fremdartige und detaillierte 2D-Welt erschaffen. Auch der Sound bzw. die musikalische Untermalung transportiert die schaurige Atmosphäre gut rüber. Egal ob melancholisch oder unheimlich, der Titel gibt sich hier größte Mühe und überzeugt.


Fazit:
Smoke & Sacrifice ist eines dieser Spiele wo mir der Test extrem schwer fällt. Auf der einen Seite merkt man wie viel hier liebevolle Entwicklerarbeit drin steckt. Grafisch kann der Titel nämlich vollends überzeugen und auch im Gameplay versucht Solar Sail Games aus dem Genre bisschen rauszubrechen. Allein schon dass die Story genug motiviert sich trotz aller Widrigkeiten durchzubasteln, zeichnet dieses Spiel aus. Es sind auch nicht die großen Patzer die sich das Studio leistet, sondern viele, viele Kleinigkeiten die sich am Ende summieren. Insbesondere solch Standardelemente wie konfigurierbare Steuerung oder eine Sortierfunktion (gerade in einem Crafting-Game) darf sowas einfach nicht fehlen. Wer allerdings darüber hinwegsehen kann und zudem auch frustresistent ist, bekommt mit Smoke & Sacrifice einen zauberhaften Survival-Titel der etwas anderen Art.



Johannes Keuschnig


gedruckt am 16.07.2018 - 11:03
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